Geschichte

Geschichte der Evangelischen Personalkirchengemeinde Christus-Immanuel
Mit der Annahme des Kirchengesetzes "betreffend die Gemeindeordnung für die Evangelische Personalkirchengemeinde Christus-Immanuel" durch die Synode der EKHN am 6.5.1953 wurde die bisher vom Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein getragene Arbeit einer Vereinsgemeinde in die Landeskirche eingegliedert Dies war ein entscheidender Einschnitt in der Geschichte dieser nunmehr fast 130 Jahre alten Kirchengemeinde.
Emil Moritz von Bernus, Sohn einer wohlhabenden Frankfurter Familie, der in England Theologie studiert hatte, aber nicht Prediger werden wollte, war bei seiner Rückkehr über die kirchlichen Verhältnisse in Frankfurt anno 1874 so bestürzt, dass er einen Verein gründete, dessen Ziel die Predigt des Evangeliums ohne die konfessionelle Bindung an lutherische oder reformierte Glaubenssätze war. Der Prediger sollte "bibelgläubig" sein. Namhafte Frankfurter Bürger unterstützten den Evangelisch Kirchlichen Hilfsverein.
Um den Predigern geeignete Wirkungsstätten zu bieten, baute von Bernus 1883 die Christuskirche (damals in einem Neubaugebiet der sich ausdehnenden Stadt an der Grenze zu Bockenheim) und später ein Vereinshaus, den "Falkenhof" in Bockenheim.
Die sehr erfolgreiche Arbeit im Westend veranlasste von Bernus auch im Nordend 1902 eine Kirche zu bauen, die Immanuelskirche (heutige Epiphaniaskirche) und ein dazu gehörendes Vereinshaus, den Eschenhof in der Nibelungenallee.
Nach dem Tode von Bernus' 1913 gingen die von ihm errichteten Gebäude und ein weiterer Teil seines Vermögens in eine Stiftung ein. Mit der Genehmigung der Stiftung durch den Kaiser war auch die Anerkennung der Amtshandlungen der Vereinsgeistlichen verbunden. Dies führte zu erheblichen Protesten der Bezirkssynode, die jedoch daran nichts änderten.
Beide Kirchen wurden im 2. Weltkrieg fast völlig zerstört. Durch die Geldentwertung war ein Wiederaufbau mit eigenen Mitteln trotz der Opferbereitschaft der Vereinsmitglieder nicht möglich. Die Überführung der Vereinsgemeinde in eine Personalkirchengemeinde befreite den Verein von der Last der Pfarrergehälter und -pensionen. Die Ruine der Immanuelskirche wurde an die EKHN verkauft, und aus dem Erlös wurde die heutige Immanuelskirche in der Nibelungenallee gebaut.
Mit dem Wiederaufbau der Christuskirche konnte schließlich 1976 begonnen werden. Die Gemeinde war inzwischen dem Ev. Regionalverband beigetreten, der diesen Wiederaufbau neben anderen Sponsoren unterstützte. Am 6.Februar 1978 wurde von Philip Potter, dem damaligen Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, die Christuskirche als Ökumenisches Zentrum ihrer Bestimmung übergeben.

Gegenwart der Gemeinde

In der Frankfurter Kirchenlandschaft mit ihren im Normalfall durch die Gemeindebezirke abgegrenzten Kirchengemeinden erscheint vielen die Personalkirchengemeinde als etwas Fremdes, das sie nicht einordnen können. Eine Kirchengemeinde ohne eigenen Gemeindebezirk, deren Mitglieder in ganz Frankfurt und über die Stadtgrenze hinaus wohnen, bietet der Gemeinde jedoch auch Chancen: Der häufig empfundenen Anonymität der Parochialgemeinde mit nicht selten mehreren tausend Mitgliedern steht hier eine Gemeinde mit nur knapp 200 Mitgliedern gegenüber. Dies bewirkt einen engen Zusammenhalt untereinander und ein besonderes Verantwortungsgefühl der einzelnen.
Die Tatsache, dass die Gemeinde keinen Nachwuchs durch Zuzug hat, mag dem Außenstehenden als Nachteil erscheinen. Die Gemeinde wird jedoch dadurch gezwungen, stets ihr Profil neuen potentiellen Gemeindegliedern deutlich zu machen. Dabei führt die "bibelgläubige" Tradition der Gründungszeit, die das rein konfessionelle Denken überschreitet, bis heute zur Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Frömmigkeitsstilen und Glaubensweisen. Menschen anderer Konfessionen können in der Gemeinde verantwortlich mitarbeiten.
 
Der Eine-Welt-Laden, den die Gemeinde und der Verein unterstützen, hat durch seinen Vertrieb von fair gehandelten Produkten aus Entwicklungsländern und durch seine Veranstaltungen zu entwicklungspolitischen Themen inzwischen eine weit über die Grenzen der Gemeinde reichende Bedeutung erlangt.
Die Mittwochsgottesdienste greifen regelmäßig gegenwartsbezogene, entwicklungspolitische und interkulturelle Themen auf. Ein Gesprächsgottesdienst mit Imbiss kommt dabei den kommunikativen Bedürfnissen der Besucher an manchen Punkten näher als der traditionelle Sonntagsgottesdienst.
Weitere Aktivitäten sind zum Beispiel der Rechtshilfefond, der Migrantlnnen rechtliche Unterstützung gibt, der Gemeindechor, der Lieder aus der ganzen Welt bei uns bekannt macht, der LiBeraturpreis, der Autorinnen des Südens hier zu größerer Bekanntheit verhilft.

Seit etwa 1990 konzentriert die Gemeinde ihre Aktivitäten ganz auf die Christuskirche. Dies hat zu einer deutlicheren Wahrnehmung der Christuskirche als Zentrum der Gemeinde geführt und damit auch dem Ökumenischen Zentrum eine neue Qualität gegeben. Die Immanuelskirche wird zurzeit von der amerikanischen Lutheran Trinity Church als Gottesdienstraum genutzt.

                                                                                                            Rainer Ott



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