Andacht zur Fastenzeit

Gut genug! Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz

Ein Mann läuft im kniehohen Wasser, er sieht aus als wäre er kurz vor-her ins Wasser gefallen. Weiße Flügel, die an seinen Armen festgemacht scheinen, sind auch in Mitleidenschaft gezogen. Sein Blick ist halb nach innen gerichtet und halb scheint er in die Ferne zu schauen. 
Nicht unbedingt, wie wir uns Erfolgsmenschen vorstellen. Ein Mann in den 30ern mit nassen Flügeln und Kleidern. Er zeigt sich in diesem Zu-stand. Er nimmt seine Hoffnungen und damit sich doch wohl nicht zu ernst, sonst hätte er sich und seine Engelsflügel wohl eher verschämt versteckt. Beflügelt geht er weiter seinen Weg. 
Mit diesem Bild wirbt die Aktion der Evangelischen Kirche für die dies-jährige Fastenaktion 7 Wochen ohne. „Gut genug! 7 Wochen ohne fal-schen Ehrgeiz.“
Martin Luther sagte, dass wir unser Leben nicht rechtfertigen müssen, denn es ist 'gerechtfertigt', weil Gott es uns geschenkt hat. Die Zuver-sicht, dass Gott unser Leben in Zeit und Ewigkeit umspannt, macht Mut, immer wieder zu fragen: Wie steht es um die Gerechtigkeit? Und was bedeutet es, Frieden zu stiften? Es macht Mut, die Engelsflügel immer wieder anzuziehen.
Fastenzeit, Passionszeit, Zeit der Erinnerung an Jesu Leiden, Zeit, unse-ren Blick zu öffnen auf Christus und auf unsere Mitmenschen, indem wir den Alltagstrott unterbrechen und uns neu fragen: Was ist wichtig in den Wochen bis Ostern?
Nach kirchlichem Brauch beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch. Der Verzicht auf bestimmte Speisen und Getränke gilt als Symbol der Buße und der spirituellen Erneuerung. Zahlreiche Christen nehmen sich zudem mehr Zeit für Besinnung und Gebet. Wo in den evangelischen Kirchen die Fastenzeit neu entdeckt wird, geht es generell nicht um eine Rückkehr zu überlieferten Speiseregeln, sondern darum, eigene Ge-wohnheiten zu hinterfragen, um Gott Raum zu geben. Die Passionszeit – wenn sie als Fastenzeit verstanden wird – birgt so die Chance, intensiver auf sich und andere zu achten, Gewohnheiten zu überdenken und Poten-tiale zu nutzen, die oftmals im Alltäglichen untergehen. In diesem Sinne dieses Jahr: Gut genug! 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz.
                                                                                                                Ihre Gisela Egler-Köksal
7 Wochen ohne: „Gut genug! 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz“
In unserer Gemeinde wollen wir den Themen dieser Fastenaktion Raum geben
und laden Interessierte zum Mitmachen ein.
Der Mittwochsgottesdienst am 17. Februar  führt in die Aktion ein. (s. Gottesdienste und Veranstaltungen)
Die Gottesdienste im März greifen jeweils ein Thema der Aktion auf.
Ein Fastenkalender be-gleitet die Teilnehmenden mit Texten aus Kirche, Kultur und Alltagsleben.
Sie ermutigen, sich von falschem Ehrgeiz frei zu machen. Der Kalender kann in den nächsten Wochen nach den Gottesdiensten, im Mittwochsgottesdienst und im Gemeindebüro für 10,90 €  erworben werden.



Die Segnung der Kinder

Und sie brachten Kinder zu ihm, dass er sie berühre. Die Jünger aber verwiesen es ihnen. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: “Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt es ihnen nicht; denn für solche ist das Reich Gottes. Wahrlich ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.“ Und er schloss sie in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. (Markus 10, 13-16)

Wir sehen in dieser Geschichte vier Parteien: Jesus, seine  Jünger, die Kinder und die Leute, die die Kinder zu Jesus bringen.

Jesus

Wer und wie ist Jesus? Jesus ist Gottes einziger Sohn. Er ist eigentlich allmächtig, kann und weiß alles. Er hat die Macht über alle Mächte. Wie geht er mit seinen Mitmenschen um? Er begegnet ihnen voller Liebe, heilt sie, hilft ihnen und stärkt sie. Er geht auch mit seinen Jüngern vorbildlich um. Er war nicht so einer, der sie von oben herab ansieht, sondern er belehrt sie und versucht ihnen zu erklären, dass sie ihn verstehen. Denn sie verstanden ihn nicht immer.

Die Jesusjünger

Kurz vor unserer Geschichte findet sich im Markusevangelium folgende Geschichte. „Sie kamen nach Kapharnaum, und als er zu Hause war, fragt er sie: ‚Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?’ Sie aber schwiegen; denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer der Größte sei. Da setzte er sich nieder, rief die Zwölf und sprach zu ihnen: ‚Will einer erste sein, so sei er Letzter von allen und aller Diener!’ Und er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie, schloss es in seine Arme und sprach zu ihnen: Wer eines von solchen Kindern aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“  (Markus 9,33-37)

Kurz darauf, ich denke es hat nicht einmal viele Tage gedauert, kamen Leute mit Kindern zu Jesus, damit er sie anrühre. Und die Jünger wiesen sie ab. Woran kann das liegen? Haben sie Jesus vorher verstanden und weisen trotzdem die Leute ab, die die Kinder brachten, oder haben sie ihn vorher nicht verstanden?

Ich stelle mir vor, dass ihnen am Anfang die Vorstellung fehlte, um Jesu Vorhaben, seine Reden und sein Handeln zu verstehen. Aber nachdem sie vieles mit ihm erlebt haben, was er ihnen vorher gesagt hatte und was sie damals nicht verstanden hatten, verstanden sie ihn später doch. Erst nach seinem Tod und seiner Auferstehung, nach dem alles vollbracht war, sind sie wach geworden.

Und dann haben sie alles gegeben, das Evangelium Jesu zu verbreiten, wie er zu ihnen gesagt hat: „Geht hin in alle Welt und verkündet das Evangelium aller Kreatur! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ (Markus 16,15)

Die Jesusjünger haben zwar damals die Leute abgewiesen, die die Kinder zu Jesus gebracht haben, aber weil sie dann an Gott mit vollem Herz geglaubt haben, verdanken wir ihnen heute die Chance, das Evangelium zu hören.

Wir müssen uns fragen: Wer sind wir? Sind wir nicht die Jesusjünger? Glauben wir nicht von ganzem Herzen an Gott? Dann ist alles, was Jesus damals seine Jünger lehrte, heute auch für uns gültig, weil wir seine Jünger und Jüngerinnen von heute sind.

Die Leute, die die Kinder zu Jesus brachten

Diese Leute haben die Erfahrung gemacht, dass Jesus viele Menschen heilt und dass er liebevoll ist zu seinen Mitmenschen und auch Kinder liebhat. Sie wussten, dass er etwas Besonderes an sich hat. Sie brachten die Kinder, damit er sie anrühre. Sie müssen ja geglaubt haben, wenn er sie anrührt, dass es den Kindern wohl tut.

Denken wir auch heute so und bringen wir Kinder zu Jesus? Stärken wir unsere Kinder, alle Kinder mit seinen Worten? Wenn ja, ist es gut. Wenn nicht, ist es auch nicht zu spät. Wir können damit jetzt beginnen.

Die Kinder

Jesus sagt: „Wahrlich ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.“ Warum sagt Jesus das? Wie nimmt ein Kind das Reich Gottes an? Wenn Kinder sich jemandem anvertrauen, dem auch zu vertrauen ist, dann vertrauen sie auch von ganzem Herzen. Sie bezweifeln nicht viel. Sie sind auch offen und  ehrlich den anderen Menschen gegenüber. Jesus meint damit auch uns Erwachsene, dass wir ohne zu zweifeln an ihn glauben. Jesus liebt seine Kinder ganz besonders.

Lasst uns alle gemeinsam sagen:
„Gott ist heilig für uns alle. Wir sind alle seine Kinder!“

Und Ihr Kinder, glaubt Ihr, dass Jesus euch liebt?
Und dass er immer mit euch ist?
Betet ihr auch manchmal? Oder immer?
Glaubt Ihr, er hört euch?
Gott sei mit euch in allen euren Wegen!
Amen. 
                                                         Alex Atew, Evangelische Oromo Gemeinde
                                                                             gehalten als Predigt beim ÖZ- Gottesdienst
                                                                             am 25. September 2011 (gekürzt)

 




Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt. 18, 20)

Der Monatsspruch für September erinnert uns sofort an unsere kleine Gemeinde und an einige Gottesdienste, in denen die Teilnehmerzahl sehr gering war. Wenn man diese Worte einordnen will in einen größeren Zusammenhang, dann reicht es vielleicht, dass ich auf zwei Überschriften hinweise, die ich in verschiedenen Ausgaben der Bibel gefunden habe. In der einen lautet die Überschrift für die Verse 15 - 20 „Gemeindezucht“, in der anderen für die Verse 19 und 20 „gegenseitige Gebetshilfe“.

Es geht also um Gemeinde und Gebet.

Wo also zwei oder drei gemeinsam beten, da ist Gemeinde. Gemeinde ist nicht abhängig von der Zahl der Versammelten, schon gar nicht gibt es mehr oder weniger Gemeinde, je nach dem, wie viele Gemeindemitglieder versammelt sind. Gemeinde ist Gemeinde, unabhängig von der Zahl der Gemeindemitglieder. Demgemäß ist eine große Gemeinde auch nicht besser als eine kleine Gemeinde, aber auch nicht schlechter. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Versammelten, sondern entscheidend ist, dass die Versammlung „in meinem Namen“ erfolgt, also Gebet und Verkündigung des Evangeliums sowie die Darreichung der Sakramente, insbesondere Abendmahl, stattfindet. Da ist dann die Gemeinde Jesu Christi versammelt und aktiv und da ist Er mitten unter ihnen.

Jesus hat also auf jeden Fall nicht nur das „Gebet im Kämmerlein“ gemeint, sondern das gemeinsame öffentliche Gebet, zu dem jeder eingeladen ist mit der Zusage, dass Er schon da ist, wo zwei oder drei in seinem Geiste zusammen sind.

Damit wird uns und all denjenigen Mut gemacht, die oft an der kleinen Zahl der Versammelten verzweifeln. Die Zahl ist nicht entscheidend, die Größe der Gemeinde auch nicht, sondern das Zusammensein in seinem Geiste. Dieses Zusammensein kann vielleicht intensiver sein mit einer kleinen Zahl als in einer großen Menge. In einer großen Zahl oder gar großen Menge besteht vielleicht die Gefahr der Oberflächlichkeit, der fehlenden Konzentration auf das Wesentliche, der rechten Vertiefung in das Gebet, die Anbetung und das Hören auf das Wort. Hier bietet vielleicht eine kleine Gottesdienstgemeinde größere Möglichkeiten und größere „Glaubenschancen“ als eine große Gemeinde. Das bedeutet aber nicht, dass man sich auf das Kleinsein beschränken soll, ganz im Gegenteil, der Missionsbefehl gilt natürlich weiter, aber nicht um der Größe der Gemeinde willen.

Wenn wir dies alles beherzigen, können wir glücklich und dankbar über das Leben in unserer kleinen Gemeinde sein.

Dr. Max Schumacher



Trauer und Pfarrer Gerhard Hoffmann


Am 06. Mai 2011 ist unser langjähriges Gemeindemitglied, Pfarrer Dr. Gerhard Hoffmann, im Alter von 81 Jahren gestorben.

Mit einer sehr bewegenden Trauerfeier unter Leitung von Pfarrerin Dr. Ursula Schoen und unter Mitwirkung von Prof. Dr. Martin Stöhr und Pfarrerin Gisela Egler-Köksal sowie musikalischer Gestaltung durch seinen Sohn Daniel haben wir am 16. Mai 2011 auf dem Waldfriedhof in Frankfurt am Main – Oberrad in einer großen Trauergemeinde von ihm Abschied genommen.

Gerhard Hoffmann wurde am 30.04.1930 in einem kleinen Ort in Thüringen geboren. Seine theologische Laufbahn begann 1948 in Marburg, weitere Stationen waren Göttingen und Bremen, bevor er 1960 im Evangelischen Missionswerk in Hamburg tätig wurde und dort auch seine spätere Frau Bärbel kennenlernte. In den Jahren 1969 und 1970 wurden die beiden Söhne Daniel und Philip geboren.

In Genf beim Weltkirchenrat war Gerhard Hoffmann sodann Leiter des Referats für missionarische Verkündigung, bevor die Familie mit dem an Leukämie schwer erkrankten 5-jährigen Sohn Philip 1975 nach Frankfurt kam in der Hoffnung, dass hier noch ärztliche Hilfe erreichbar war, leider vergebens, Philip starb etwa zwei Monate später und wurde auf dem Waldfriedhof in Oberrad bestattet.

Gerhard Hoffmann hatte kurz zuvor auf dem Evangelischen Kirchentag in Frankfurt unseren damaligen Gemeindepfarrer Dieter Lenz getroffen, der mit Unterstützung unseres damaligen Propstes Dr. Dieter Trautwein sehr schnell dafür sorgte, dass die zweite Pfarrstelle in unserer Gemeinde von Gerhard Hoffmann besetzt werden konnte.

Gemeinsam feierten wir dann im Jahr 1978 die Eröffnung des Ökumenischen Zentrums Christuskirche, bevor Gerhard Hoffmann den Fachbereich „Ökumene und Ausländerarbeit“ des Evangelischen Regionalverbandes aufbaute und bis 1995 leitete.

Über diese Arbeit und die Beurteilung der ökumenischen Bewegung gab Gerhard Hoffmann in unserem Gemeindebrief im Juni 2010 ein umfangreiches Interview, das nachzulesen sich auch heute noch lohnt.

Gerhard Hoffmann ist unserer Gemeinde stets treu geblieben, er war bis zuletzt ein eifriger und regelmäßiger Besucher unseres Sonntags-Gottesdienstes, wobei er oft auch von seiner lieben Frau begleitet wurde. Er hat sehr gerne gepredigt und auch nach seinem Ruhestand immer wieder Predigtaufträge in unseren Gottesdiensten mit großem Engagement wahrgenommen. Dabei merkte man jeder seiner Predigten an, dass er um das rechte Wort und die rechte Aussage, somit um die zutreffende Verkündigung, stets intensiv gerungen hatte. Wie Martin Stöhr in der Trauerfeier betonte, liebte Gerhard Hoffmann den Dialog mit dem Du; sein Du war Gott. Er war davon überzeugt, dass es aus dem Dialog mit Gott, dem wir unser Leben verdanken, keinen Ausweg gibt. Diesen Dialog hat er intensiv gepflegt und die Ergebnisse haben sich oft in seinen Predigten niedergeschlagen; diese Predigten waren im Ergebnis sanft in der Stimme und stark in der Aussage.

Wir sind dankbar, dass er uns 36 Jahre lang ein treuer Begleiter und Freund war. Wir werden ihn sehr vermissen. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Ehefrau Bärbel sowie seinem Sohn Daniel.

Dr. Max Schumacher


Bericht von der Gemeinde- und Hilfsvereinsversammlung

Am 20. März fand die erste Gemeinde- und Hilfsvereinsversammlung mit Pfarrerin Gisela Egler-Köksal statt. Einleitend gab sie einen kurzen Bericht über ihre wichtigsten Erfahrungen und Vorhaben in ihrem neuen Amt. In der Aussprache wurde ihr versichert, dass die Gemeinde sie bei ihrer Arbeit aufmerksam und solidarisch begleiten und unterstützen will.

Anschließend überreichte Diribe Gamachu ein Geschenk ihrer Heimat- gemeinde, eine wunderschön geflochtene bunte Schale mit einem selbst gebackenen Brot und einen Beutel Kaffee aus Oromia, der Heimat des Kaffees. Sie hatte Fotos mit von der Kirche, deren Unterhalt wir durch Kollekten unterstützen. Jetzt soll ein evangelischer Kindergarten gebaut werden, für den an diesem Sonntag € 230 zusammenkamen.

Anschließend wurde – leider – Frau Sigrid Buch mit einem Geschenk und einem Segenslied verabschiedet. Sie wird zu ihrer Schwester nach Süddeutschland ziehen. Als ihr Nachfolger als Kirchencafe-Manager wurde Ralf Schalk vorgestellt.

Weitere Ehrenamtliche, denen mit einem Glas süßen Honigs und Gewürzen gedankt wurde, waren:
Jobst Krause und Stefan Tuntke vom Bauausschuss,
Katja Fischer als Küsterin,
Rolando Kyra für das Angebot zusätzlicher Stimmbildung für die Chormitglieder
und Bettina Behler und Dr. Helga Müller für ihre Mitarbeit im Stiftungsvorstand. 

 

 

 

 

 

                                                  Einführungsgottesdienst von Pfarrerin Gisela Egler-Köksal

In einem festlichen Gottesdienst

mit Chören des Ökumenischen Zentrums

wurde am Sonntag, den 23. Januar,

Pfarrerin Gisela Egler-Köksal

durch Dekan Pfarrer Dr. Dietrich Neuhaus eingeführt. 

 

 

 
 
 
 
Pfarrerin Gisela Egler-Köksal
 
hat am 1. November 2010 ihren Dienst als Gemeindepfarrerin und Vereinsgeistlichen der Personalkirchen-gemeinde Christus Immanuel angetreten. Sie stellt vor sich mit einem Vers aus dem Lukasevangelium:  
    

Und es werden kommen von Osten und Westen, von Norden und Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes. (Lukas 13,29)

Diese Worte aus dem Lukasevangelium verbinde ich mit der Christus-Immanuel Gemeinde und mit dem Ökumenischen Zentrum Christuskirche Frankfurt/M. Seit über 30 Jahren ist diese Kirche Heimat für Menschen aus dem Süden und Norden, dem Osten und Westen mit all ihren unterschiedlichen Traditionen und Kulturen.

Gemeinsam zu Tisch sitzen und miteinander essen, sprechen, denken, handeln, Gottesdienste feiern und Freud und Leid miteinander teilen – diese Vision und diese Praxis wird durch Jesu Wort geschenkt. Dies verbindet uns miteinander und öffnet uns zugleich für Andere in dieser Stadt.

Bewusst habe ich mich hier – und so bei Ihnen – als Pfarrerin beworben. Die Christuskirche und die Christus-Imma­nuel-Gemeinde habe ich während meines Theologiestudiums in Frankfurt durch eine koreanische Freundin kennen gelernt. Als Teil des Ökumenischen Zen­trums hat Ihre Gemein­de 1982 mein Gemein­depraktikum begleitet, mein theologisches Nachdenken inspiriert und später viele Im­pulse gegeben für mein Leben und Arbeiten als Pfarrerin. Durch Freundschaften blieb ich der Gemeinde viele Jahre verbunden.

Mein Theologiestudium habe ich anschließend in Rom, Heidelberg und Marburg fortgesetzt. Nach meinem Vikariat in Eschborn ging ich nach Birmingham, England, für ein Spezialpraktikum am Zentrum für das Studium des Islams und des christlich-islamischen Dialogs.

Nach einigen Jahren Gemeindearbeit in Frankfurt-Niederrad, arbeitete ich auf einer Projektstelle für den christlich-islamischen Dialog in der Ev. Kirche in Hessen und Nassau. Ich organisierte Seminare und Fortbildungen und stellte Informationsmaterial zum christlich-islamischen Dialog zusammen. Seit 1999 bin ich verheiratet mit dem Journalisten Gürsel Köksal. Wir wohnen mit unseren Kindern in Oberursel. Seit der Geburt unserer Kinder, Denis (10 Jahre) und Iris (8 Jahre), widmete ich meine Zeit schwerpunktmäßig meiner Familie, aber auch als theologische Autorin von Schriften, die den interkulturellen und den interreligiösen Dialog unterstützen. In verschiedenen ehrenamtlichen Engagements arbeite ich u.a. mit in der Initiative „Sarah und Hagar“ und war viele Jahre im Vorstand des Stadtverbandes der evangelischen Frauenhilfe, Frankfurt am Main, jetzt Evangelische Frauen – Stadtverband Frankfurt am Main e.V.

Jetzt kehre ich zurück, fange neu an. Immer wieder zu Tisch – aus dem Norden und Süden, aus dem Westen und Osten kommend – sitzen und miteinander denken, sprechen, essen, lachen, handeln, Gottesdienste feiern und Freude, aber auch Leid, Leben und Sterben miteinander teilen.

Ich freue mich darauf, dies mit Ihnen in diesem Haus zu tun, Sie kennen zu lernen und Sie zu besuchen.

 

                                                                                               Ihre Pfarrerin Gisela Egler-Köksal

 

 
 
 

25jähriges Dienstjubiläum
Gespräch mit unserer Hausmeisterin  Ayten Adalilar

"Ayten Adalilar Tatchouop hat in der Evangelischen Personalkirchengemeinde Christus Immanuel und im Ökumenischen Zentrum Christuskirche durch 25-jährige Mitarbeit als Hausmeisterin wesentlich zur Gestaltung des ge­meindlichen Lebens beige­tragen. Der Kirchenvor­stand und der Hilfsvereinsvorstand sprechen ihr Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit aus und verbinden dies mit Segenswünschen für den weiteren Lebensweg."

So steht es auf der Urkunde, die Ihnen von Hilfsvereins- und Kirchen­vorstand am 1. September 2010 im Gemeindebüro überreicht wurde. Was war Ihnen wichtig bei Ihrer Arbeit in all diesen Jahren?

Ayten Adalilar: Ich möchte, dass die Leute sich bei uns wohlfühlen. Dafür halte ich die Kirche gerne sauber und in Schuss. Sehr gerne koche und backe ich und decke den Tisch für den Imbiss bei Veranstaltungen und nach Gottesdiensten. Die großen Gottesdienste habe ich am liebsten, wenn so viele verschiedene Menschen zu uns kommen.

Sie sind aus der Türkei, und Sie haben einen französisch und afrikanisch klingenden zweiten Namen. Wie kam es denn, dass Sie sich vor 25 Jahren um die Hausmeisterinnenstelle in unserer Kirche beworben haben?

Ayten Adalilar: Ich war verheiratet mit einem Kameruner. Er hat neben dem Studium hier als Hausmeister gearbeitet. Nach seinem Examen bekam er bald eine Stelle. Ich hatte ihm schon immer bei der Arbeit geholfen und kannte die Menschen hier und fand sie nett. Da habe ich mich um die Stelle beworben. Durch unseren Sohn, der leider mit 16 gestorben ist, und die Tochter meines Mannes, die ich wie eine eigene Tochter großgezogen habe, fühlte ich mich vor allem der damaligen Allafrikanischen Gemeinde sehr verbunden.  Dazu kam, dass es schwer war, für eine Familie wie unsere eine Wohnung zu bekommen. Wir haben viele, sehr böse Absagen bekommen. Da war ich froh, dass wir in die Hausmeisterwohnung in der Nibelungenallee einziehen konnten. Gut fand und finde ich auch, dass ich sehr selbständig arbeiten und mir die Zeit selbst einteilen kann, auch wenn ich oft unregelmäßige Dienstzeiten habe und manchmal erst spät nach Hause komme.

An was erinnern Sie sich gern? Und welche Veränderungen haben Sie miterlebt?  

Ayten Adalilar: Ich fand die Frauen aus dem Mütterkreis und den Bibelstunden sehr interessant und habe gern mit ihnen geredet. Ich erinnere mich an eine Frau, die trug immer ein Schild „Nie wieder Krieg“, das hat mir imponiert. Mich hat auch die Arbeit im Eine-Welt-Laden interessiert. Da habe ich auch für die Gemeinde eingekauft. Und beim Gottesdienst zum Weltgebetstag war ich immer gern dabei. Verändert hat sich natürlich, dass die Immanuelskirche in der Nibelungenallee jetzt ganz von den Amerikanern genutzt wird und alle unsere Veranstaltungen und das Gemeindebüro in der Christuskirche sind. Und dass die Christuskirche in den letzten Jahren viel schöner und heller geworden.

Der Kirchen­vorstand wünscht Ihnen Gottes Segen für Ihren weiteren Lebensweg. Was wünschen Sie sich vor allem?

Ayten Adalilar: Ich freue mich, dass wir bald eine neue Pfarrerin bekommen. Ich kenne Gisela Egler-Köksal und ihren Mann und ihre Kinder schon lange. Ich wünsche mir, dass sie und dass wir alle mit Gottes Hilfe die nächsten Jahre gut meistern.

 

 

 
                                      Ausstellung im Ökumenischen Zentrum Christuskirche
 
NAKBA
Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948
 

Nakba heißt Katastrophe. So be­zeichnen die Palästinenser die Vertreibung der einheimischen Bevölkerung aus den Landstri­chen, die 1948 / 1949 zum Staat  Israel wurden. In Deutschland wurde und wird die Gründung des Staates Israel mit großer Sym­pathie gesehen. Dass damit der dort bereits ansässigen Bevölkerung Unrecht geschehen ist, wird leicht aus dem Bewusstsein verdrängt. Aber das Wissen über die Vorgeschichte ist zum Ver­ständnis des Nahostkonflikt nötig und Voraussetzung für einen ge­rechten und dauerhaften Frieden.

Das Palästina-Forum-Nahost im Ökumenischen Zentrum Christus­kirche hat die vom Land Baden-Württemberg und vom Evangelischen Entwicklungsdienst geförderte Ausstellung NAKBA nach Frankfurt geholt. Sie war bereits in fast 50 Städten in Deutschland zu sehen, in diesem Sommer auch beim Ökumenischen Kirchentag in München.

Die Texte und Bilder beschreiben die Geschichte des Zionismus und der jüdischen Besiedelung Palästinas seit Ende des 19. Jahrhunderts und in der englischen Mandatszeit, den Teilungsplan der Vereinten Nationen, die Ausrufung des Staates Israels am 14. Mai 1948 und den dann einsetzenden Bürgerkrieg und den israelisch-arabischen Krieg 1948/1949 – und die Folgen für die palästinensische Bevölkerung. Gezeigt wird,  verständlicherweise, vor allem die Zerstörung von Häusern und Dörfern, die durch israelische Truppen angerichtet wurde, sowie das Leiden von Palästinenserinnen und Palästinensern damals und ihre Situation in den Flüchtlingslagern heute.

Die Ausstellung sollte ursprünglich samt einem Begleitprogramm im Gewerkschaftshaus Wilhelm-Leuschner-Straße gezeigt werden. Wenige Stunden nachdem die israelische Marine gewaltsam ein Schiff mit Hilfsgütern enterte, das die Blockade des Gazastreifens brechen wollte, entzog der Vorsitzende der DGB-Region Frankfurt-Rhein-Main den dafür zugesagten Raum. Daraufhin wandte sich das Palästina-Forum an den Kirchenvorstand mit der Anfrage, ob die Ausstellung in dem vorgesehenen Zeitraum im Ökumenisches Zentrum Christuskirche gezeigt werden könne. Der Kirchenvorstand stimmte zu.
Am Donnerstag, den 17. Juni, wurde die Ausstellung in der Christuskirche eröffnet. Zuvor hatte eine Protestdemonstration vom dem Gewerkschaftshaus stattgefunden. Etwa 75 Leute zogen von dort zum Ökumenischen Zentrum und hörten den Einführungsvortrag von Ingrid Rumpf, der 1. Vorsitzenden des Vereins (palästinensischer) Flüchtlingskinder im Libanon e.V., die die Ausstellung konzipiert und gestaltet hat. Die Ausstellung wurde bis zum 1. Juli im Ökumenischen Zentrum gezeigt.
Informationen über die Ausstellung und die Texte und Bilder auf den 13 großformatigen
Tafeln finden Sie: www.lib-hilfe.de 
Eine Broschüre gleichen Inhalts kann bestellt werden bei:
Flüchtlingskinder im Libanon e.V. Birnenweg 2, 72793 Pfullingen
 
 
Grußwort der Vorsitzenden des Kirchenvorstands Hildburg Wegener bei der Eröffnung
Wir sind froh, dass wir der Ausstellung NAKBA im Ökumenischen Zentrum Raum geben können. Seit vielen Jahren tagt hier das Palästina-Forum-Nahost, ein Arbeitskreis, der aus der entwicklungspolitischen Arbeit unserer Gemeinde hervorgegangen ist. Wir achten und unterstützen dessen Bildungs- und Solidaritätsarbeit. Wir fühlen mit ihnen den Schmerz über die Unterdrückung der Palästinenser und den Zorn über Unrecht und Gewalt, die sie erleiden

Als christliche Gemeinde fällt uns eine solche Solidarität nicht leicht. Uns sind die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens wertvoll. Für uns ist Israel das Volk und Land Jesu. Wir beteiligen uns am christlich-jüdi­schen Dialog und engagieren uns gegen Antisemitismus. Wir wünschen uns, dass die Jüdinnen und Juden ein Land haben, in dem sie in Sicherheit und Selbstachtung leben können.

Umso mehr sind wir betroffen von der Politik des Staates Israel heute. Wir wissen, dass wir Unrecht benennen müssen. Deshalb ist es wichtig, dass die NAKBA-Ausstellung gezeigt wird. Wir hier in Deutschland müssen wissen, dass hinter der Situation im Nahen Osten nicht nur die Verfolgung und Ermordung der Juden im Nationalsozialismus, sondern auch die Flucht und gewaltsamen Vertreibung der Palästinenser steht.  

Wir erwarten nicht, dass die Ausstellung ein vollständiges oder ausgewogenes Bild vermittelt. Wie sollte sie. Aber wir wissen, dass sie geschichtliche Tatsachen dokumentiert, und Einschätzungen, die zum Verständnis des Nahostkonflikts unabdingbar sind. Wer einen gerechten und dauerhaften Frieden will, darf nicht die Augen vor geschichtlichem Unrecht schließen, sondern muss sie zum Ausgangspunkt der Versöhnung nehmen.

Wir wünschen der Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher, die wissbegierig, kritisch und zugleich gesprächsbereit sind und sich mit uns für Frieden im Nahen Osten einsetzen wollen.

WebRep
Gesamtbewertung
 

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