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2008 - Abschied von Margret Sebbel -

veröffentlicht um 05.04.2010 10:28 von Web Master   [ 07.05.2010 13:04 wurde aktualisiert. ]

Am Sonntag, den 8. Juni, wurde unsere Organistin Margret Sebbel in einem festlichen, mit viel Musik bereicherten Gottesdienst verabschiedet. Zu den vielen Grußworten, die ihr für 26 Jahre treue Dienste den Dank der Gemeinde und aller, die mit ihr zusammen musiziert haben, aussprachen, gehörte auch die folgende Würdigung von Ingrid Schäfer-Ott. Anschließend ein kleiner Dankesbrief von der Gefeierten selber.

M A R G R E T  S E B B E L

M musikliebend, menschlich, modisch, mittendrin

A aufgeschlossen, amüsant, anregend

R rechtschaffen, rührend, renitent

G gerechtigkeitsliebend, grundanständig, gemütlich

R redselig, reizend, romantisch

E echt, ernsthaft, evangelisch

T tiefgründig, temperamentvoll, tadellos, träumerisch

S sonnig, sensibel, spaßhaft

E energiegeladen, einzigartig, empfindsam

B begeisternd, blumenreich, beseelt

B bekannt, bombastisch,

E energisch, einfallsreich, emotional

L lebensbejahend, lustig



Liebe Gemeinde,

ich bedanke mich sehr bei allen, die bei meiner Verabschiedung waren. Allen, die an meiner wunderschönen „Vogeltränke“ beteiligt sind und auch denen, die mir so viel Schönes geschenkt haben, herzlichen Dank! Ich kann gar nicht alles in Worte fassen, so gerührt und froh bin ich nach dieser herrlichen Verabschiedung.

Ihre Margret Sebbel

2008 - Afrikagottesdienst – im Andenken an Jean Claude Diallo

veröffentlicht um 05.04.2010 10:27 von Web Master   [ 07.05.2010 13:06 wurde aktualisiert. ]

Der Afrika-Gottesdienst, der am 13. April 2008 im Ökumenischen Zent-rum Christuskirche gefeiert wurde, war auch dem Andenken an Jean Claude Diallo gewidmet. Der Gottesdienst wurde ein- und auch wieder ausgeleitet mit einer sehr eindrucksvollen Trommelperformance, die der Musiker Florian Auls noch am Samstag mit Kindern eingeübt hatte. Die Chöre der frankophonen Französisch-Reformierten Gemeinde und der Presbyterian Methodist Church of Ghana setzten ebenso musikalische Akzente wie der zukünftige Kantor der Gemeinde, Gerald Ssebudde, der die Gemeinde musikalisch stützte. Pfarrer Fidèle Mushidi von der Französisch-Reformierten Gemeinde legte den Text Markus 10: 46-52 von der Heilung eines Blinden vor allem auch im Gedenken an den verstorbenen Jean Claude Diallo aus. Er hob hervor, dass es der blinde Bettler am Wegesrand selber ist, der Jesus durch Schreien auf sich aufmerksam macht und dadurch seine Heilung auslöst. „Wenn wir an die denken, die in unseren Kirchen versuchen, ihre Stimmen zu erheben, an die, die ohne Stimme sind, ohne Würde, ohne Schutz, ohne Kraft, ... an die, die anders als ich sind, in ihrer Religion, ihrer Kultur, ihren Lebensentwürfen – dann möchte ich die Kraft haben zu sagen: Meister, lass mich neu sehen. ... Lass mich, Herr, sehen den Durst nach Gerechtigkeit und die Hoffnung auf Glück. Öffne mir die Augen, damit ich dies alles in den Blick nehme, um für die Harmonie deiner Schöpfung zu handeln. ... Unser Bruder Jean Claude Diallo handelte in dieser Perspektive, sein Engagement ist in diesem Sinne zu verstehen.“

Jean Claude Diallo, geboren am 21. November 1945, starb am 21. März an einem Herzversagen. In Frankfurt, und weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus, wird er vielen noch lange im Gedächtnis bleiben. Diallo hinterließ in vielen das Gefühl, dass er zu früh gegangen war, dass er noch nicht fertig war, dass er gerade im Begriff gewesen war, weitere wichtige Schritte zu gehen – mit anderen – Schritte in Richtung auf eine Gesellschaft, in der alle, auch MigrantInnen und Flüchtlinge, mehr an ihren Rechten teilhaben sollten. Immer wieder drückt sich die Bestürzung über sein unerwartetes Ableben darin aus, dass Menschen aus seinem Umfeld sagen: „Ich hatte noch so viele Termine mit ihm in meinem Terminkalender, wir wollten uns treffen, wir planten, wir hatten uns gerade vorgenommen ...“
 
Diallo war ein echter Frankfurter – mit Migrationsgeschichte. Er liebte die Eintracht, Currywurst, die Frankfurter Schule (Adorno, Horkheimer). Liebevoll sprach er von seiner Stadt als der einzigen Metropole, die man in 24 Stunden zu Fuß durchqueren könne.

Zunächst war er zum Studium nach Deutschland gekommen und blieb – leider, wie er selbst sagte, danach hängen, weil sich die Regierung in Guinea in der Zwischenzeit in eine Diktatur gewandelt hatte. Diallo kam aus einem gut bürgerlichen, interreligiösen Haushalt, sein Vater war Katholik, seine Mutter Muslimin. Beide Eltern hatten sich aktiv für die Entkolonialisierung und Freiheit ihres Landes eingesetzt. Die Mutter war Marxistin, ebenso Wanderin zwischen den Welten, Quer- und Vordenkerin, wie er es später werden sollte.
Aus Protest gegen die Afrika-Reise von Papst Paul VI. tritt Diallo 1974 aus der katholischen Kirche aus. „Ende 1978 / Anfang 1979 entdeckte ich die Christus-Immanuel-Gemeinde mit ihrer Vielfalt“, schreibt er später über seine Entscheidung für die Evangelische Kirche. „Mir gefiel es damals, wenn ich hörte, dass die protestantische Freiheit stirbt, wenn sie zur privaten Freiheit wird und nicht Freiheit schafft für Unfreie.“

Als er 1986 zum zweiten Mal von Guinea nach Deutschland migrierte, ging er zunächst nach Düsseldorf. 1988 übernahm er dann die Leitung im Psychosozialen Zentrum für ausländische Flüchtlinge in Frankfurt. 1995 wurde er Leiter des Fachbereichs Ökumene, Ausländerarbeit und übernahm 1999 die Leitung des neuen Fachbereichs Interkulturelle Arbeit im Evangelischen Regionalverband.

Als ausgebildeter Psychologe fand er seinen Weg auch in die Politik, zunächst in seinem Herkunftsland Guinea, wohin er 1984 zurückkehrte, um erst als Staatssekretär im Auswärtigen Amt, dann als Minister für Information und Kultur in der Regierung mitzuwirken. Ab 1997 saß er – der gebürtige Guineer mit französischem EU-Pass – in Frankfurt als ehrenamtlicher, anfangs parteiloser Stadtrat für die Grünen im Stadtparlament. Oberbürgermeisterin Petra Roth würdigte ihn in der Trauerfeier in der Katharinenkirche, stellvertretend für den gesamten Magistrat, als warmherzigen Menschen mit Humor. Sie betonte, dass den Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat sein unermüdliches Engagement fehlen wird.

Immer wieder gewann der „Vollblut“- Politiker mit Herz seine Zuhörerschaft mit Sprichwörtern und Sprachbildern aus dem reichen Schatz seines Herkunftslandes Guinea. Diallo setzte sich dafür ein, dass niemand in Deutschland rechtlos bleiben sollte. Die Situation der Flüchtlinge blieb ihm ein Anliegen. So unterstützte er den Aufbau und Erhalt des Flughafensozialdienstes, der sich vor allem um die Menschen kümmert, die im Frankfurter Flughafen im Transitbereich auf ihre zwangsweise Rückführung warten. „Die sind per Gesetz dazu verurteilt, unter haftähnlichen Bedingungen vor sich hin zu vegetieren.“

Im Herbst letzten Jahres schaltete er sich in die heftig geführte Diskussion um den Moscheebau im Frankfurter Stadtteil Hausen ein. Es war die dezidierte Meinung des inzwischen (seit Januar 2007) Integrationsdezernenten, dass zur Vermeidung der viel beschworenen und befürchteten Parallelgesellschaften is-lamische Gemeinden die „Hinterhöfe“ verlassen und sich mit ihren Gotteshäusern zeigen dürfen müssten. Das friedliche Miteinander aller Reli-gionen und Völker - das war Jean Claude Diallos Herzensangelegenheit, sein Ziel. Ein Ziel, das seinen eigenen Lebenserfahrungen entsprang und das er auf seinem beruflichen Weg verfolgte. Exil, Emigration, Integra-tion und kulturelle Identität waren seine Themen – und zwar nicht als Modethemen sondern aus eigener, persönlicher und gelebter Erfahrung.

Diallo näherte sich grundlegenden Fragen der Integration mit seiner hohen Bereitschaft und Fähigkeit zum Dialog. Er stellte sich und anderen u.a. die Frage: „Wie gelingt uns eine Integration, an der sich alle beteiligen?“ Der Brückenbauer zwischen den Kulturen und Religionen fasste seine Vorstellungen von einer lebenswerten Gesellschaft für alle Menschen in Frankfurt so zusammen: „Glück ist da, wo man Freunde hat. Das werden nicht nur Migranten brauchen, sondern auch Deutsche.“

Jean Claude Diallo verschied am 21. März, es war Karfreitag und gleichzeitig auch der Tag des Frühlingsanfangs. So nah liegen Anfang und Ende. Vielleicht können wir es ja als ein Zeichen verstehen, dass das Leben zyklisch verläuft und dass jedem Anfang ein Ende inne wohnt, und in jedem Ende auch schon ein neuer Anfang liegt.

Eleonore Wiedenroth-Coulibaly

2008 - Zum Tode von Richard Schäfer

veröffentlicht um 05.04.2010 10:26 von Web Master   [ 07.05.2010 13:10 wurde aktualisiert. ]

Am Ostersamstag ist das langjährige Vorstandsmitglied des Hilfsvereins Richard Schäfer im Alter von 88 Jahren verstorben. Viele von uns erinnern sich an seine engagierte Arbeit für unsere Gemeinde. Er hat wesentliche Entwicklungen in der Übergangszeit von der selbstständigen Vereinsgemeinde zu einer Personalkirchengemeinde in der EKHN und im Evangelischen Regionalverband in Frankfurt mitgestaltet und die Zusammenarbeit zwischen der Immanuels- und der Christuskirchengemeinde gefördert. Wir verdanken ihm außerdem die Aufarbeitung der geschichtlichen Entwicklung von Stiftung, Hilfsverein und Gemeinde, die er in Gemeindebriefen und Festschriften veröffentlicht hat. Die Gemeinde und der Hilfsverein sind Richard Schäfer zu Dank und Anerkennung verpflichtet. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Claus Ludwig Dieter, Evangelisch Kirchlicher Hilfsverein

2007 - Gemeinsam aufbrechen: Ökumenischer Gottesdienst zum Reformationsfest

veröffentlicht um 05.04.2010 10:24 von Web Master   [ 05.04.2010 10:25 wurde aktualisiert. ]

Zum diesjährigen Reformationsfest wurde im Frankfurter Westend eine ökumenische Gottesdiensttradition begonnen, gerade am Reformations-tag, der ja eigentlich am Beginn einer Trennung der christlichen Kirchen stand. In der gastgebenden Evangelisch-Reformierten Kirche in der Freiherr-vom-Stein-Straße versammelten sich Mitglieder der katholi-schen Nachbargemeinde St. Ignatius, zu der durch Fusion nun auch die St. Antoniusgemeinde in der Savignystraße gehört, der Altkatholischen Gemeinde in Bockenheim und der Christus-Immanuel-Gemeinde zu einem gemeinsamen Gottesdienst.

Die beiden evangelischen Pfarrerinnen Dr. Susanne Bei der Wieden und Dr. Ursula Schoen hatten den Gottesdienst gemeinsam mit ihren beiden Kollegen Pater Jörg Dantscher, SJ, und Pfarrer Ulrich Katzenbach vor-bereitet. Im Zentrum des Gottesdienstes stand eine vierteilige Predigt, in der die Geschichte von der Heilung am Teich von Bethesda als Bild für die Kirche ausgelegt wurde. Pfarrerin Bei der Wieden stellte den kran-ken Mann, der den Weg zum heilenden Teich allein nicht findet, in den Mittelpunkt. Pfarrerin Schoen bezog sich dagegen auf den Teich. In ihrer Auslegung hob sie hervor, dass der Teich in dieser Geschichte ein Ort ist, den Gottes Geist in Bewegung bringt. Angesichts von Spardebatten und Reformbemühungen in unseren Kirchen drohe Gottes Wirken als eine Kraft, die Menschen und Gemeinden in Bewegung bringt, immer mehr in Vergessenheit zu geraten.

Mit Erstaunen stellten die Glieder der verschiedenen Gemeinden fest, wie viele Lieder wir gemeinsam singen können: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“, „Du hast uns Herr gerufen“, „Meine engen Grenzen“, „Sonne der Gerechtigkeit“. Und den Psalms 46, der Luther zu seinem Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott“ inspiriert hat, beteten die Evangelischen neugierig mit in der – auch sehr gelungenen - katholi-sche Einheitsübersetzung. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung dieser neuen „Tradition“ im nächsten Jahr!

2007 - Höre Israel! Eine Veranstaltung des ÖZ-Arbeitskreises Palästina - Israel

veröffentlicht um 05.04.2010 10:22 von Web Master   [ 07.05.2010 13:06 wurde aktualisiert. ]

Zu einer Lesung aus dem Buch „Checkpoint Watch. Zeugnisse israelischer Frauen aus dem besetzten Palästina“ hatte der Arbeitkreis Palästina-Israel mit anderen am 16. Oktober ins Ökumenische Zentrum Christuskirche eingeladen. Die Verfasserin des Buches und Mitbegründerin der Checkpoint Watch (hebr. MachsomWatch) Organisation, Yehudit Kirstein Keshet, und ihre Übersetzerin, Ulrike Vestring, berichteten eindrücklich von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen. Die Überschrift eines von Frau Kirstein Keshet zitierten Gedichtes von Erich Fried „Höre Israel“ war wie der Leitfaden dieses Abends.

Checkpoint Watch ist eine Organisation israelisch-jüdischer Frauen, die die Vorgänge an den Kontrollposten/Checkpoints in den Palästinensergebieten beobachten und dokumentieren. Die 300-400 israelischen Frauen wollen Palästinensern helfen, die an den Checkpoints schikaniert und misshandelt werden, in kritischen Fällen vermitteln und Menschenrechtsverletzungen publik machen. Dabei können die Frauen nicht die palästinensischen Gebiete betreten, sondern nur von der israelischen Seite aus arbeiten. Oft stehen sie auch den jungen israelischen Soldaten bei, die ihrer Rolle an den Wachposten nicht gewachsen sind. Das Buch ist bisher nur auf englisch und deutsch erschienen und kann in Israel nicht erworben werden.

Yehudit Keshet Kristein beeindruckte die Zuhörenden mit ihrer schonungslosen Analyse der Rolle des Checkpoints in der israelischen Besatzung, die es der Armee ermöglichen, sämtliche Bewegungen der Zivilisten in den palästinensischen Gebieten zu kontrollieren. Willkür und menschenverachtende Handlungen sind an diesen Orten an der Tagesordnung. Wir Frauen, so sagte sie, haben es nicht geschafft, die Checkpoints abzuschaffen. Umso wichtiger ist es, die Wahrheit auszusprechen, auch wenn sie unangenehm ist. Bei dieser Arbeit erführen sie zwar wenig Anerkennung, aber im Grund auch keine Ablehnung in der israelischen Gesellschaft. Sie schloss mit den Worten: Wer Ungerechtigkeiten anprangert, muss darauf achten, dass er dabei nicht anderen Unrecht zufügt!

Ursula Schoen

2007 - Blickwechsel : Weiß und Schwarz, Ghana - Deutschland ….

veröffentlicht um 05.04.2010 10:19 von Web Master   [ 07.05.2010 13:15 wurde aktualisiert. ]

Blickwechsel : Weiß und Schwarz, Ghana - Deutschland ….
Die Veranstaltungsreihe „Gemeinde am Mittwoch“ war im September dem Thema „Ghana“ gewidmet. Am 5. September sahen wir den sehr beeindruckenden Film „Sankofa“, der in einer Burg an der Küste Ghanas beginnt. In ihren dunkeln Verließen wurden einst Menschen gefangen gehalten, bevor sie als Sklaven und Sklavinnen nach Amerika verschifft wurden. Eine Gruppe Touristen lässt sich die Burg zeigen, eine junge Afroamerikanerin, die als leicht­lebiges Photomodell dargestellt wird, bleibt zurück, spürt allmählich geradezu körperlich, wie die Angst, die Gewalt und das Unrecht, die in diesen Räumen einmal geherrscht haben, sie bedrängen – und findet sich wenig später als Haussklavin auf einer Zuckerrohrplantage wieder.

Wir sehen durch ihre Augen die Brutalität der weißen Farmer, die Leidensfähigkeit der Schwarzen und die Rolle der Frauen, die trotz allem Kinder zur Welt zu bringen und Geschichten erzählen, mit denen sie die Erinnerung, den Widerstandswillen und die Hoffnung auf Freiheit wach halten. Wir sehen auch, wie das Sklavenhaltersystem funktioniert, in dem die Weißen einige, die „Haussklaven“, privileieren und ihnen drohen, sie bei dem geringsten Widerstand wieder zu Feldsklaven zu machen, und andere als Aufseher („Kapos“?) kooptieren und sie zwingen, ihre Mitsklaven zu schlagen zu verraten, und wie die – in diesem Fall katholische - Kirche dieses System stützt. Und wir erleben, wie die Frau durch die Geschichten der Frauen und in geheimen Zusammenkünften lernt, sich zu solidarisieren, und ein Bewusstsein für ihre kulturelle Herkunft und den Wunsch nach Freiheit gewinnt. Am Schluss wird sie von dem mythischen Vogel Sankofa wieder an die Küste Ghanas und in die Gegenwart getragen. Wir vermuten, dass sie kaum wieder als Photomodell arbeiten wird.

Zwei Wochen später trafen wir uns zu einem Gesprächsabend mit einigen Mitgliedern der ghanaischen Gemeinde Rhein-Main, die ihre Gottesdienste in der Gemeinde Cantate Domino feiert. Die Frankfurter Gemeinden unterhalten seit ziemlich genau zwanzig Jahren eine Partnerschaft mit der Presbyterianischen Kirche von Ghana (PCG), speziell mit einem Distrikt in dem wirtschaftlich unterentwickelten Norden Ghanas. Pfarrer Will, der als Dekanatsbeauftragter für Ökumene für die GhanaPartnerschaft zuständig ist, hatte den Abend zusammen mit Pfarrerin Schoen vorbereitet.

Zu Beginn sahen wir einen Film, den Antje Schrupp über die Anfänge der Frankfurter Ghana-Partnerschaft gedreht hat. Wir erleben die Partnergemeinden beim Gottesdienst in ihren einfachen Kirchen, hören Gemeindeleiter und Vorsitzende von Distrikten über ihre oft mühsame Arbeit und ihre Sicht einer wechselseitigen Partnerschaft sprechen – Geld ist wichtig, aber es ist vor allem der spirituelle Austausch, der zählt – und erleben den Schulunterricht – das Lernen der Englischen Sprache ist entscheidend für die berufliche Zukunft der Jugendlichen. Und wir hören Ghanaer zu Besuch in Frankfurt über ihre Erfahrungen in Europa reden.

In dem anschließenden Gespräch erfahren wir, dass die presbyterianische Kirche sich, wie alle aus der Mission hervorgegangenen Kirchen, erst allmählich für die eigenen Lieder, Tänze und Musikinstrumente geöffnet hat. Obwohl es vor allem die charismatischen Gemeinden sind, die in Ghana wie überall in Afrika stark wachsen, wenden sich inzwischen aber zunehmend auch junge Menschen den evangelischen Kirchen zu und finden dort eine Heimat, die sie nicht von ihrer Kultur entfremdet.

Ein großes Anliegen ist der Schulunterricht, die Kirchen mühen sich sehr um den Bau von öffentlichen Grundschulen gerade in den ärmeren Bezirken. Hier kann die Ghana-Partnerschaft finanzielle Unterstützung leisten. Zentrum des Gottesdienstes ist die Bibel. Meist treffen sich die Gläubigen vor dem eigentlichen Gottesdienst zu einer Bibelstunde. In den biblischen Geschichten finden die ghanaischen Christen Antworten auf ihre Fragen nach der christlichen Lebensgestaltung in einem sich entwickelnden afrikanischen Land.

Hildburg Wegener

Kontakt Ghana-Partnerschaft: Pfarrer Dietmar Will, 069 – 42 72 617-15

2007 - "Indien" Zyklus des Mittwochsgottesdienste

veröffentlicht um 05.04.2010 10:18 von Web Master   [ 07.05.2010 13:14 wurde aktualisiert. ]

Spätestens seit dem vergangenen Jahr ist Indien, das im Oktober Gastland der Buchmesse in Frankfurt war, näher in unser Blickfeld gerückt. „Bollywood“ – die beliebte indische Filmindustrie in Bombay (neuerdings „Mumbai“) – boomt. Sie wird weltweit überwiegend als schrill, bunt und kitschig wahrgenommen, ist damit allerdings eine anerkannte Marke für sich geworden. Auch sonst hat Indien Hochkonjunktur, egal ob es um Mode, Musik oder die IT-Branche geht. Der Dienstleistungssektor expandiert ebenfalls. Dabei war Indien ursprünglich ein klassisches Agrarland mit langer Tradition. Fest steht jedenfalls, dass die gesamte indische Wirtschaft rasant wächst und Deutschland als drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt bald einholen könnte.

Unsere Veranstaltung „Indien – Ein Land der Gegensätze“ passte zwar gut in diesen Zusammenhang, ihr Anlass war aber ein anderer. Es bestehen in der Gemeinde enge Verbindungen zum Verein „Deutsch Indischen Zusammenarbeit“, und die wollten wir in Form einer Vortragsreihe nutzen, um dieses komplexe Land voller Vielfalt und Widersprüche eingehend zu beleuchten

Der erste Abend hatte das Thema „Recht und Gerechtigkeit“. Der Entwicklungshelfer und Dr. Jona Aravind Dohrmann, dessen Mutter aus Indien stammt, referierte über den Ursprung und die Entwicklung der Menschenrechte in Indien. Eine Frage, die dabei im Mittelpunkt stand: Wie ist die moderne Verfassungswirklichkeit in Indien mit dem Kastensystem Indiens vereinbar, das schon tausende von Jahren besteht?

Am 20.06. widmeten wir uns Ghandi. Ist seine Lehre der Gewaltlosigkeit und des passiven Widerstands noch aktuell oder unzeitgemäß? Wir diskutierten darüber sehr angeregt mit dem Referenten Thorsten Gromes von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, der zurzeit seine Dissertation an der Universität Marburg schreibt. Die Relevanz von Ghandi gerade in der heutigen Friedens- und Konfliktforschung dürfte unbestritten sein. Seine Stellungnahme zu aktuellen weltpolitischen Problemen wäre sicher höchst interessant und hilfreich.

Eine Woche später befassten wir uns mit der Wirtschaft Indiens und die Problematik der Entwicklungshilfe in einem so genannten „Schwellenland“. Sollte sie überhaupt fortgesetzt werden? Bisher ist das ländliche Indien, und vor allem die Frauen dort, noch weitestgehend abgekoppelt vom Wirtschaftswachstum gewisser urbaner Zentren. Es referierte der frühere Mitarbeiter der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und stellvertretende Vorsitzender der Deutsch Indischen Zusammenarbeit, Bernd Wolf.

Pfarrer Dr. Johny Thonipar gab uns einen umfassenden Einblick in die differenzierte religiöse Welt Indiens. Es ist faszinierend und erstaunlich, wie überwiegend friedlich unter anderem Hindus, Moslems, Christen, Sikhs, Buddhisten und Zoroastrier in diesem multireligiösen und multikulturellen Land seit Jahrtausenden zusammenleben.

Durchaus spannend fiel dann am 11.07. Pfarrer Ulrich Wegners ungewöhnliche Interpretation der Geschichte von Kain und Abel im Kontext der Ökumene aus. „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ Müssen wir den Konflikt der beiden Brüder als einen Konflikt zwischen sesshaften und nomadischen Kulturen sehen? Und was bedeutet das für das heutige Indien und das Verhältnis des so genannten Westens zu Indien? Es fiel schwer eine eindeutige Antwort zu finden.

Ein großes eigenes Thema waren am Mittwoch darauf die Kastenlosen Indiens. Wie brisant und bedrückend deren Lebenssituation nach wie vor ist, machte der beeindruckende Diavortag des Dipl. Sozialarbeiters Philipp Peter Müller klar. Anschließend sahen wir noch einen Film von und über die „Kastenlosen“ Indiens, die Dalit. Trotz der Hitze tauschten wir uns im Anschluss daran noch eifrig aus. Es gab auch die Gelegenheit, einer anwesenden Dalit Fragen zu stellen.

Am letzten Abend schließlich stellte die Bildungsreferentin Sybille Frank die Arbeit der „Deutsch indischen Zusammenarbeit“ in Nagpur und in 35 Dörfern südlich von Nagpur vor. Schwerpunkte sind unter anderem Gesundheit und Bildung. Vielleicht findet diese schöne, erfolgreiche Veranstaltung ja in naher Zukunft eine Fortsetzung, zum Beispiel mit einer Indien-Filmreihe.

Katja Fischer

2007 - Rückblick Forum Illegalität

veröffentlicht um 05.04.2010 10:16 von Web Master   [ 07.05.2010 13:05 wurde aktualisiert. ]

Am 9.3.2007 fand im Ökumenischen Zentrum Christuskirche ein vierstündiges Forum statt, an dem ca. 35 interessierte Vertreter und Vertreterinnen aus Gemeinden, sozialen und pädagogischen Einrichtungen sowie der Kommune und der Rechtsberatung teilnahmen.

Anlass dieses Treffens war die 2006 vom Evangelischen Regionalver band und dem Diakonischen Werk in Hessen und Nassau in Auftrag gegebene Studie „Lebenslage „illegal“ - Menschen ohne Aufenthaltsstatus in Frankfurt am Main“, deren Ergebnisse sich die 10. Synode der EKHN am 24. November zu eigen gemacht hat. Bei diesem Treffen sollte es neben der allgemeinen Information über die Studie vor allem um die Frage gehen, welche konkreten Maßnahmen zur gemeindlichen und kommunalen Unterstützung von Betroffenen in Frankfurt/Rhein-Main auszubauen und zu entwickeln seien. Als besondere Schwierigkeit erweist sich in Hessen die sog. „Meldepflicht“, nach der öffentliche Träger von Erziehungs- und Beratungseinrichtungen sowie Schulen der Meldepflicht unterliegen, wenn sie Menschen mit illegalem Aufenthaltsstatus unterstützen und aufnehmen.

In den intensiven und lebhaften Beratungen des Forums wurde deutlich, dass es in Frankfurt auf kommunaler und kirchlicher Seite bereits ein wachsendes Netzwerk der Hilfe gibt, das es zu stützen und zu fördern gilt. Für die Zukunft wurde insbesondere die Schaffung eines Fonds angeregt, aus dem schnelle finanzielle Unterstützung für medizinische Versorgung und Schul- und Kindergartenbeiträge gewährt werden kann. Darüber hinaus soll eine Liste von Kindergärten und Schule in privater Trägerschaft erstellt werden, wozu auch kirchliche Einrichtungen zählen, die aufgrund ihrer größeren Freiheit bereit sind, Kinder in dieser Lebenssituation aufzunehmen. In einigen Monaten soll das Forum erneut zusammentreten und über Fortschritte beraten.

Ursula Schoen

2007 - Von Fluchtwegen und Lebenswegen

veröffentlicht um 05.04.2010 10:13 von Web Master   [ 07.05.2010 13:09 wurde aktualisiert. ]

Das politische Nachtgebet am 21.2.2007

„Ich bedaure nur eines in meinem Leben: dass ich in Nigeria geboren wurde.“ Was muss ein Mensch erlebt haben, um solch eine Aussage zu machen? Die Worte sagte Peter Aimufua aus Benin City, nachzulesen im Buch „Der Traum vom Leben – Eine afrikanische Odyssee“ von Klaus Brinkbäumer, aus dem Peter Lehmann bei unserem Politischen Nachtgebet am Aschermittwoch vorlas.

Der Gottesdienst, vorbereitet von Pfarrerin Dr. Ursula Schoen und von Pfarrerin Irene Derwein-Sponsel aus der Flughafenseelsorge, hatte das Thema: Fluchtwege und Lebenswege. Die Texte dazu wurden vom Schauspieler Peter Lehmann eindrucksvoll vorgetragen und mit Kontrabassimprovisationen von Frank Willi Schmidt stimmungsvoll untermalt.

Nach einer Einführung in das Thema und dem gemeinsamen Gebet des Psalms 84 hörten wir wahre, erschütternde Berichte von Flüchtlingen über ihren schweren, mühsamen Weg nach Europa in eine vermeintlich freie, glückliche Zukunft. Danach gab es Zeit und Raum, um uns selbst auf eine innere Reise zu machen. Im großen Saal waren sieben Stationen mit schwarzen Tüchern aufgebaut, auf denen jeweils weitere Zitate aus Brinkbäumers Buch und auch Gedichte – zum Beispiel von Hilde Domin – lagen. Die Stationen hatten verschiedene Titel: Aufbruch, Warten, Fahrt, Wüste, Überfahrt, Rückschlag, und „Der Traum vom Leben“. An jeder Station hielten wir inne und beschäftigten uns mit dem jeweiligen Aspekt der Fluchtreise. Was ist das Ziel? Und wie wird es dort sein? Später stellte Pfarrerin Schoen noch den biblischen Bezug her. Sie verwies auf den Propheten Elia, der auch in die Wüste geflüchtet war und sich dort aufgegeben hatte, bis Gott ihm Raben schickte, die ihn versorgten und ihm so die Kraft und den Mut zum Weiterleben gaben. Gott schickte Raben, also Wesen aus dem konkreten Leben, und keine Engel. Könnte dies vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass wir Menschen weniger auf himmlische Hilfe warten sollten und dafür uns gegenseitig immer mehr zu rettenden Raben werden sollten?

Die geschilderten Lebensgeschichten gingen jedenfalls zu Herzen und stimmten sehr nachdenklich. Aber auch hoffnungsvoll. Sie erzählten auch davon, dass ein schmerzhafter, gefährlicher Aufbruch in die Fremde und Ungewissheit gelingen kann, dass Fluchtwege zu Lebenswegen werden können. Die Fürbitten am Ende des Gottesdienstes offenbarten, dass das Thema „Vertreibung und Flucht“ für einige von uns nichts Fernes oder Abstraktes ist, sondern ganz konkret zur eigenen Biografie und Familiengeschichte gehört. Der Abend hat sicher einen guten Beitrag geleistet zum besseren Verständnis für die Not und Probleme der Menschen, die als so genannte „Illegale“ nach Europa flüchten, oft unter Einsatz ihrer ganzen Habe und ihres Lebens.

Wie immer gab es im Anschluss an den Gottesdienst Tee, Gebäck und die Möglichkeit zum angeregten Austausch. Die Kollekte des Abends war konsequenterweise für den kirchlichen Flüchtlingsdienst bestimmt.

Katja Fischer

2006 - Fokus Afrika – Film und Gespräch

veröffentlicht um 05.04.2010 10:11 von Web Master   [ 05.04.2010 10:13 wurde aktualisiert. ]

Rückblick auf die ersten drei Filme unserer Filmreihe

Wenn man nicht direkt nach Afrika reisen kann oder wenn man
überhaupt keine Vorstellung von dem Leben und von den Geschehnissen in Afrika hat, was macht man? Es kommen doch so viele Afrikaner zu uns in das Ökumenische Zentrum. Sie erzählen ihre Geschichte, singen, beten, essen mit uns… . Trotzdem haben wir wenig Vorstellung, wie bei ihnen zu Hause das tag-tägliche Leben aussieht. Die einfachste Methode ist, sich einen Afrika-Film, gemacht in Afrika, von afrikanischen Regisseuren, über Afrika anzusehen und anschließend miteinander in die Diskussion zu kommen. Das entspricht dem Motto der Personalgemeinde Christus-Immanuel: mit Fremden leben – einander kennen lernen – einander achten. Zu diesem Zweck werden an jedem ersten Mittwoch im Monat zwischen September 2006 und März 2007 Filme ausgewählt und ausgestrahlt. Bisher wurden die drei folgend Filme gezeigt:

Hotel Ruanda (Regisseur Terry George)ist die wahre Geschichte eines ganz gewöhnlichen Mannes, Paul Rusesabagina, der beispiellose Zivilcourage bewies und über 1200 Menschen vor dem sicheren Tod rettete. Vor 12 Jahren brach in Ruanda der Irrsinn aus: angestachelt durch lokale Radiosender fielen radikale Hutu über die „konkurrierende“ Volksgruppe der Tutsi her und töteten innerhalb weniger Monate über 800.000 Tutsi und sympathisierende Hutu. Aber Paul zeigte sich entschlossen, alles dafür zu tun, um seine Familie zu schützen. Er brachte den Mut auf, sich der Gewalt entgegen zu stellen. Unter Einsatz seines Lebens rettete der Hotelmanager aus Ruanda couragiert mehr als 1200 Flüchtlinge vor dem sicheren Tod. Die Welt schaute weg, aber Paul breitete seine Arme aus und bewies, dass auch ein Einzelner Großes bewirken kann.

Hotel Ruanda ist ein starker und mitreißender Film, der uns die brisante Thematik des Völkermords in Afrika nahe bringt. Jeder sollte sich den Film, schon um der politischen Bildung willen, anschauen .

Lumumba ( vonRaoul Peck): Vom einfachen Postangestellten steigt er innerhalb kürzester Zeit zum ersten Premierminister seines Landes auf: Patrice Lumumba führt den Kongo im Juni 1960 in die Unabhängigkeit. Das afrikanische Land von der Größe Westeuropas war 1885 vom belgischen König Leopold II. zu seinem Privatbesitz erklärt worden. Zwei Jahrzehnte lang setzten Leopolds Gouverneure Geiselnahme, Vergewaltigung, Misshandlung und Mord ein, um den Bewohnern des Kongo die geforderten Quoten an Kautschuk und Elfenbein abzupressen. Belgische, britische und amerikanische Unternehmen investierten, um Bodenschätze fördern zu können, darunter Kupfer, Kobalt, Diamanten, Gold, Zinn, Mangan und Zink.

Einer, der das ändern will, ist der am 2. Juli 1925 geborene ehemalige Missionsschüler Patrice Lumumba: "Unser Ziel ist die Befreiung des Kongos … Wir wollen eine souveräne Regierung bilden, die Hand in Hand mit den Belgiern zusammenarbeitet." Doch Belgien hält nichts von einer solchen Zusammenarbeit: Im Oktober 1959 werden Massen­demonstrationen der Unabhängigkeitsbewegung in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa blutig unterdrückt. Lumumba wird - als Mitbegründer der ersten gesamtkongolesischen Partei, des Mouvement National Congolais ( MNC) - für die Unruhen verantwortlich gemacht und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, und dann im Juni 1960 doch Premierminister des gerade unabhängig gewordenen Kongo.

Kompromisslos setzt sich der unerfahrene junge Politiker für die Gleichberechtigung der Schwarzen in einem vereinten Kongo ein, aber die USA, Belgien und einflussreiche kongolesische Provinzführer haben anderes im Sinn. Nach nur zwei Monaten im Amt wird er am 5. September 1960 von Staatspräsident Kasavubu , abgesetzt, aber durch das Votum des Parlaments in seinem Amt bestätigt, und nach dem ersten Putsch Mobutus unter Hausarrest gestellt. Bei dem Versuch, sich nach Stanleyville zu begeben, wo seine Anhänger eine Regierung gebildet haben, wird er verhaftet, bis zum 17. Januar 1961 eingesperrt und dann exekutiert.

In seinem Spielfilm rekonstruiert Filmemacher Raoul Peck die dramatischen Ereignisse, die 1961 in der Ermordung Lumumbas gipfelten. Dass dieser Opfer eines machtpolitischen Komplotts wurde, ist inzwischen durch Fakten untermauert. Detailgetreu zeichnet Peck das Schicksal eines idealistischen Politikers nach, in dessen tragischem Scheitern sich beispielhaft der Aufbruch Afrikas in die politische Unabhängigkeit widerspiegelt.

Guelwaar (von Ousmane Sembène): Pierre Henri Thioune Guelwaar ist tot. Er war ein respektierter und angesehener Mann. Die Trauergemeinde kommt zusammen, aber Guelwaars Leichnam ist ver schwunden. Es gab eine Verwechslung und Guelwaar, der Katholik, ist bereits bestattet – jedoch nach muslimischem Ritus. Also wird die Polizei gerufen; der Abgeordnete und der Präfekt werden in die Verhandlungen um die Exhumierung und Herausgabe der Leiche eingeschaltet. Doch die muslimische Familie, die Guelwaar bestattet hat, will von einer Verwechslung nichts wissen. Alles sei mit rechten Dingen zugegangen. Eine Lösung ist nicht abzusehen. Der Imam, der Priester und die Ältesten können alleine die Spielregeln für ein friedliches Zusammenleben der Menschen nicht sichern. Und so beschließt die Trauergemeinde, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und bricht auf, die Überreste zurückzuholen, um ihn ‘richtig’ zu bestatten. Während sich die Auseinandersetzung immer bedrohlicher zuspitzt, wird in Rückblenden die Vorgeschichte aufgeblättert: Guelwaar ist keines natürlichen Todes gestorben, sondern er fiel einem Attentat zum Opfer. Immer wieder hat er die korrupten Behörden angeklagt, die Bevölkerung mit ihrer - vom Westen finanzierten - Nahrungsmittelhilfe im wahrsten Sinne des Wortes abzuspeisen.
Der Film analysiert die Entstehung und den Verlauf eines Konfliktes. Die Beteiligten halten wenig davon, die Ursachen aufzuklären. In den Dialogen zwischen Guelwaars Sohn Barthélémy und dem Polizist Gora werden die aktuellen Probleme Afrikas aufgegriffen: die Abwanderung der gut ausgebildeten Elite nach Westen; die Ignoranz der Herrschenden gegenüber den Interessen und Problemen der einfachen Bauern; die Korruption im großen Stile, aber auch jene kleineren Gefälligkeiten und Zuwendungen, die Loyalität sichern sollen; fehlendes Selbstvertrauen in die eigenen Kräfte und daraus resultierende Minderwertigkeitsgefühle.

Im Mittelpunkt des gesamten Programms stehen sieben Spielfilme, die sich besonders an ein buntes Publikum richten, Vorurteilen entgegenwirken und eine differenzierte Sichtweise der afrikanischen Realität fördern möchten. Diese Filmreihe verspricht neue, ungewohnte und ungewöhnliche Seherfahrungen jenseits des Hollywood Mainstreams. Es lohnt sich die übrigen vier Filme zu sehen.

Kulani Gudina

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